Warum Langsamkeit der schnellste Weg zu einem besseren Golfschwung ist
In einer Welt, in der Fortschritt oft an Geschwindigkeit, Kraft und Wiederholungen gemessen wird, findet sich wahre Verbesserung im Golfschwung häufig genau im Gegenteil: im langsamen, bewussten Üben.
Nachhaltige Veränderung entsteht nicht durch noch mehr Schläge oder volle Schwünge. Sie entsteht, wenn wir lernen, uns bewusster zu bewegen.
Bewegungen isolieren, bevor man sie integriert
Der menschliche Körper und das Nervensystem lernen komplexe Bewegungen nicht auf einmal. Motorisches Lernen ist nicht linear, sondern funktioniert in Bausteinen.
Alte Bewegungsmuster sind neurologisch „laut“ – neue müssen in Ruhe und Bewusstheit geübt werden.
Volle Schwünge aktivieren sofort das alte Programm. Die Isolierung einzelner Bewegungen reduziert Komplexität und erhöht Wahrnehmung, Kontrolle und Verständnis.
Homer Kelleys Ansatz zum Bewegungslernen
Homer Kelley schreibt in The Golfing Machine:
„Bewege den Körper, um die Bewegung zu lernen, nicht um den Ball zu treffen.“
Der Fokus beim Üben sollte also nicht auf dem Ballflug, sondern auf dem Gefühl der richtigen Bewegung liegen.
Darauf aufbauend:
„Aus der Mechanik ein Gefühl kreieren sollte das Ziel sein – nicht aus einem Gefühl die Mechanik.“
Die präzise Bewegung erzeugt das gewünschte Gefühl und Ergebnis – nicht umgekehrt. Wer nur auf das Ergebnis schaut, sabotiert den Lernprozess.
Wie wir motorisch lernen – Synapsen, Gehirn und Bewegung
Motorisches Lernen basiert auf neuronalen Anpassungen im Gehirn und Rückenmark. Jede wiederholte, bewusste Bewegung stärkt die Verbindungen zwischen Nervenzellen, sogenannte Synapsen. Je gezielter und aufmerksamer eine Bewegung ausgeführt wird, desto effizienter werden diese Verbindungen aufgebaut – das Gehirn „merkt sich“ die Bewegung.
Wenn wir Bewegungen isoliert üben, aktiviert das Nervensystem spezifische neuronale Bahnen, ohne von alten, unkontrollierten Mustern überlagert zu werden. Über die Zeit entsteht ein starkes, flexibles motorisches Programm, das die Bewegung automatisch und präzise ausführen kann.
Das Gehirn lernt nicht nur die Bewegung selbst, sondern auch das Gefühl für Spannung, Druckpunkte und Timing. Deshalb zeigt sich echter Fortschritt oft zuerst im Körpergefühl, bevor er im Ballflug oder auf der Scorecard sichtbar wird.
Geduld und Qualität vor Quantität
Langsames Üben, reduzierte Intensität und gezielte Aufmerksamkeit geben dem Nervensystem die Chance, wirklich zu lernen, statt nur zu reagieren.
Die Qualität der Bewegung ist wichtiger als die Zahl der Wiederholungen. Fortschritt zeigt sich oft zuerst im Gefühl, bevor er sich im Ballflug oder auf der Scorecard bemerkbar macht.
Fazit
Wer Geduld hat und Bewegungen bewusst isoliert, versteht nicht nur seinen eigenen Körper besser, sondern legt auch die Basis für nachhaltige Leistungssteigerung.
Langsamkeit ist kein Stillstand – sie ist der beschleunigte Weg zu einem besseren, kontrollierten Golfschwung.