Putten: Geschwindigkeit bestimmt die Linie — nicht umgekehrt

Das erste Putt-Seminar 2026 ist in den Büchern — und wenn das Feedback der Teilnehmer ein Maßstab ist, dann war es ein voller Erfolg. Alle waren happy, alle haben mitgemacht, und die meisten haben in eineinhalb Stunden mehr über ihr Putting gelernt, als sie es in Jahren auf dem Übungsgrün für möglich gehalten hätten.

Wir haben uns bewusst viel Zeit für die Technik genommen. Eineinhalb Stunden, in denen wir Stroke-Mechanik, Ballposition und Setup systematisch durchgearbeitet haben. Aber das Seminar war mehr als Technik: Break lesen, Zielen, mentale Strategien, Routinen — all diese Dinge spielen beim Putten eine wichtige Rolle und kamen ebenfalls zur Sprache.

Die Kernbotschaft des Tages war dennoch eine andere. Sie lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Geschwindigkeit schlägt alles. Nicht nur für den Freizeitgolfer — selbst der Unterschied zwischen einem guten College-Spieler und einem Tourprofi lässt sich auf diese eine Variable reduzieren. Die Richtung trennt die Spieler. Die Geschwindigkeit trennt die Klassen.

Scott Fawcett von DECADE Golf bringt es auf den Punkt: Gutes Golf lässt sich so beschreiben — aggressiv mit dem Driver vom Tee, konservativ mit den Grünschlägen, und dann voller Fokus auf Speed Control. Drei Prioritäten. Eine davon gehört dem Putter.

Dabei ist Speed Control nur ein Beispiel für ein breiteres Prinzip, das im Golf oft übersehen wird: Es gibt so viele Dinge, die wir durch Technik verbessern können — aber noch viel mehr, die wir durch einfachere Ansätze gewinnen. Weniger Dreiputts durch bessere Distanzkontrolle. Weniger Fehler beim Chippen, indem man sich zunächst darauf konzentriert, das Grün zu treffen — bevor man anfängt, komplizierte Chips direkt an die Fahne zu spielen. Den Bunkerschlag plötzlich als Putt denken. Beim Pitchen das Grün als primäres Ziel setzen. Die Ziele müssen gar nicht so hoch sein, um am Ende ein deutlich besseres Ergebnis zu produzieren.

Eine interessante Rechnung

Gutes Kursmanagement bedeutet: man spielt ein Loch nicht einmalig, sondern überlegt sich die Taktik, die — wie beim Poker — über hundert Wiederholungen das beste Ergebnis liefert. Daraus entstehen Scoring Averages: die durchschnittlichen Schläge, die ein Loch kostet. Auf der Tour sieht man das deutlich — ein Loch hat plötzlich einen Schnitt von 4,2, ein anderes von 3,9, ein schweres Par 4 vielleicht 4,6.

Nehmen wir ein normales Par 4 mit einem Scoring Average von etwa 4,2 bis 4,3. Spielt man dieses Loch Bogey, verliert man gegenüber dem Feld gerade einmal 0,7 bis 0,8 Schläge. Kein Drama.

Anders sieht es bei einem schweren Par 4 mit einem Scoring Average von 4,6 aus. Ein Bogey hier kostet nur 0,4 Schläge gegenüber dem Feld — weil das Loch für alle schwer ist. Ein Double Bogey hingegen kostet mindestens das Dreifache: man verliert auf einen Schlag über 1,4 Schläge an das Feld.

Und genau diese Double Bogeys entstehen erschreckend oft nicht durch den Driver, nicht durch den Grünschlag ins Wasser — sondern durch einen einzigen unnötigen Dreiputt am Ende. Man hat sich schon aus der Bredouille gearbeitet, liegt auf dem Grün, und dann kostet ein Chip-Dreiputt oder Chip-Zweiputt den halben Scorecard.

Eine persönliche Anmerkung dazu: Ich habe am vergangenen Wochenende wieder mit einer Gruppe in Österreich gespielt. Als erfahrener Spieler ist es für mich vollkommen verständlich, wenn der Driver das Fairway verfehlt, oder ein Grünschlag mal im Wasser landet. Das gehört zum Golf dazu. Was mir jedoch zunehmend fehlt, ist das Verständnis für das kurze Spiel. Chip-Dreiputt. Chip-Zweiputt. Das sind Schläge, die schlicht und einfach unnötig sind — und die sich vermeiden lassen. Als Amateur — und das gilt für das Chippen genauso wie für das Putten — geht es nicht darum, den Schlag des Jahrhunderts zu spielen. Es geht darum, sich eine realistische Chance auf einen glimpflichen Ausgang zu erarbeiten. Nicht mehr, nicht weniger.

Niemals zu kurz lassen

Wie ich es hasse, diesen Satz auch nur aussprechen zu müssen. Er ist so weit von jeglicher Realität entfernt, dass ich mich fast schäme, darüber zu schreiben. Und dennoch höre ich ihn ständig: „Hauptsache nicht zu kurz gelassen.” Auf dem Puttinggrün, nach einem Putt, der drei Meter am Loch vorbeihämmert.

Was bringt es, wenn man hinterher erzählen kann, dass man an der Acht einen Birdieputt nicht zu kurz gelassen hat — wenn genau diese Einstellung dafür sorgt, dass aus einer Birdiechance mit schöner Regelmäßigkeit ein Bogey wird?

Für einen erfahrenen Spieler und guten Putter ist es schlicht irrelevant, ob ein Putt zu kurz, zu lang, rechts oder links vorbeiläuft. Er ist nicht drin — das ist die einzige Tatsache, die zählt. Was ihn interessiert, sind die Wahrscheinlichkeiten. Ab einer gewissen Distanz ist die Einlochquote so gering, dass der Versuch, den Ball um jeden Preis einzulochen, statistisch keinen Sinn ergibt. Wenn der Ball fällt, ist das ein Geschenk — und man freut sich darüber. Aber das eigentliche Ziel ist die Safety Zone: den Ball so platzieren, dass der nächste Putt zur Routine wird, und mit einem souveränen Zweiputt nach Hause zu gehen.

Ich weiß nicht, wie oft dieser Gedanke bereits ausgesprochen, geschrieben, erklärt worden ist. Ich weiß nur, dass er noch immer zu oft ignoriert wird. Ich ertappe mich regelmäßig dabei, innerlich zu schmunzeln, wenn jemand den Satz mit dem Zu-kurz-Lassen sagt — in der stillen Hoffnung, es sei ein Witz. Es ist nie ein Witz. Der nächste Putt landet konsequent zwei Meter hinter dem Loch, das Bogey ist gesichert, und das Par, das greifbar war, ist Geschichte.

Entschuldigen Sie die klaren Worte. Aber das muss aufhören.

Noch zwei Seminare in 2026

Wer dieses Jahr noch dabei sein möchte: Es stehen noch zwei Putt-Seminare auf dem Programm. Es gibt bereits einige Buchungen — aber auch noch freie Plätze. Ich kann Ihnen nur empfehlen, sich einen davon zu sichern. Es macht Spaß, es hilft Ihnen, und es vermittelt Ihnen alles an Know-how, das Sie über das Putten grundsätzlich wissen sollten — als solide Basis, um Ihr Spiel auf dem Grün deutlich zu verbessern. 

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Der erste Practice Day – Trainieren lernen, Golf neu denken