Die 1:1 Ratio und das Spiel im Spiel

Die 1:1 Ratio ist ein Konzept von Michael Manavian, einem Biomechaniker aus den USA. Es ist ein sehr einfaches, aber wirkungsvolles Prinzip. Seine Kernaussage lautet: Die Vorwärtsneigung (Forward Bend) im Setup sollte sich im Rückschwung in die gleiche Seitneigung (Side Bend) verwandeln.

Anders ausgedrückt: Die Vorwärtsneigung aus der Ansprechposition transformiert sich im Rückschwung in eine Seitneigung (siehe Bilder von Rory und anderen Profis).

Für alle, die sich bereits intensiv mit Körperwinkeln und Tilts beschäftigt haben, ist dieses Konzept sicherlich nichts grundlegend Neues. Dennoch gefällt mir diese Beschreibung besonders gut, weil sie das Ganze auf eine sehr einfache und verständliche Weise zusammenfasst.

Man stellt sich lediglich vor, dass der Körper die Vorwärtsneigung während der Bewegung in eine Seitneigung umwandelt – sowohl im Rück- als auch im Durchschwung. Dadurch bleibt die Wirbelsäule möglichst gerade, der Low Point verschiebt sich nicht unnötig und kann während des gesamten Schwungs deutlich stabiler gehalten werden.

Gerade für mehr Präzision und konstant bessere Ballkontakte ist das ein enormer Vorteil. Deshalb lohnt es sich, über diese 1:1 Ratio intensiv nachzudenken und sie in das eigene Trainingskonzept einzubauen.

Wer mein Training kennt, weiß, dass wir dafür bereits verschiedene Drills einsetzen. Trotzdem finde ich allein die Vorstellung, die Vorwärtsneigung einfach in eine Seitneigung umzuwandeln, unglaublich eingängig. Ich nutze dieses Bild selbst regelmäßig und bin immer wieder überrascht, wie einfach manche Dinge sein können.

Das Spiel im Spiel

Ein weiteres spannendes Konzept, über das ich vor Kurzem gelesen habe, ist das „Spiel im Spiel“. Die Idee dahinter ist, Golf gedanklich in zwei voneinander getrennte Spiele aufzuteilen.

Das erste Spiel besteht darin, den Ball möglichst effizient in einen Bereich von etwa 100 Metern vor dem Grün zu bringen. Wer beispielsweise die 90 Schläge unterbieten möchte, sollte sich zunächst darauf konzentrieren, dieses Ziel zuverlässig zu erreichen – unabhängig davon, wie viele Schläge dafür auf dem jeweiligen Loch notwendig sind.

Hat man dieses erste Spiel im Griff, beginnt das zweite: Von innerhalb dieser 100 Meter sollte man den Ball in maximal drei weiteren Schlägen einlochen.

Auf den ersten Blick klingt das sehr offensichtlich. Doch haben Sie Ihr eigenes Spiel oder Ihr Training schon einmal unter diesem Blickwinkel betrachtet?

Überlegen Sie einmal, wie Sie die meisten Löcher spielen. Wie sieht Ihre Taktik aus? Worauf legen Sie im Training den Schwerpunkt? Mit diesem Konzept lässt sich beides hervorragend strukturieren. An vielen Löchern reicht es völlig aus, den Ball zunächst sicher in diesen 100-Meter-Bereich zu bringen. An manchen Bahnen gelingt das sogar mit einem einzigen Schlag, auf einem Par 3 idealerweise direkt mit einem Schlag aufs Grün.

Diese Denkweise hilft dabei, das Spiel deutlich strategischer anzugehen und vor allem hohe Ergebnisse zu vermeiden. Denn wir alle wissen: Gute Spieler unterscheiden sich nicht in erster Linie durch die Anzahl ihrer Birdies, sondern dadurch, dass sie Double Bogeys und noch höhere Scores konsequent vermeiden.

Genau das zeichnet heute auch die besten Profis aus. Sie machen nur sehr selten hohe Nummern, weil sie ihr Spiel und ihre Entscheidungen so ausrichten, dass riskante Situationen möglichst gar nicht erst entstehen. Dieses „Spiel im Spiel“ ist deshalb ein hervorragendes mentales Modell, um die eigene Strategie zu vereinfachen und langfristig konstanter zu scoren.

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Putten: Geschwindigkeit bestimmt die Linie — nicht umgekehrt