Der erste Practice Day – Trainieren lernen, Golf neu denken
Es war kurz vor neun Uhr morgens, als sich die ersten Schüler auf der Anlage des GC Wörthsee einfanden. Acht Plätze, vergeben nach dem Prinzip „first come, first serve” – und alle waren belegt. Ein gutes Zeichen.
Was folgte, war kein gewöhnlicher Unterricht. Der Practice Day ist etwas anderes: keine Frontalanleitung, keine Gruppenübung im Takt. Stattdessen drei Stunden, in denen jeder für sich trainiert – und dabei lernt, wie man das überhaupt richtig macht. Denn genau das ist die Idee hinter diesem Format: nicht ich trainiere meine Schüler, sondern meine Schüler lernen, sich selbst zu trainieren. Ich begleite, beobachte, gebe Impulse – und greife ein, wo es hilfreich ist. Manchmal gemeinsam, etwa wenn ein Bunkerschlag alle beschäftigt. Meistens aber individuell.
Einen besonderen Gast hatten wir in dieser Morgeneinheit noch dazu: Derek Nicholas, Fitnessguru und Personal Trainer aus München, Gründer von Rareform Studios – und nebenbei selbst einer meiner Schüler. Als guter Freund war er spontan dabei und gab den Teilnehmenden wertvolle Einblicke, wie man sein Golfspiel auch auf sportlicher Ebene weiterentwickeln kann: Beweglichkeit fördern, Verletzungen vorbeugen, Bewegungsmuster wiederherstellen, die vielleicht irgendwann verloren gegangen sind. Eine Perspektive, die im Golf oft unterschätzt wird – und die an diesem Morgen für so manchen eine echte Bereicherung war.
Und der Morgen insgesamt? Er war gut. Sehr gut sogar.
Was mich dabei jedes Mal aufs Neue fasziniert, ist die Erkenntnis, die viele Golfspieler erst spät machen: Es kommt nicht darauf an, wie viel Zeit man auf dem Platz verbringt. Es kommt darauf an, was man in dieser Zeit tut. Wer sich keine Regeln setzt, sich selbst nicht fordert, sich kein Feedback gibt – der kann auch nach Jahren fleißigen Schlagens auf der Stelle stehen. Im schlimmsten Fall wird man sogar schlechter. Quantität ohne Qualität ist im Golf eine stille Falle.
Nach dem Mittagessen – zu dem ich alle Teilnehmenden einlade, denn auch das gehört zum Tag dazu – folgte der zweite Teil. Ein kurzer Vortrag meinerseits über Platzstrategie: Wie analysiert man ein Loch? Wie plant man sein Spiel intelligent, bevor der erste Schläger gezogen wird? Welche Zahlen und Statistiken helfen dabei, Schläge zu sparen – nicht durch bessere Technik allein, sondern durch klügere Entscheidungen? Schlägerwahl, Zielpunkte, das richtige Lesen einer Situation: Das sind Werkzeuge, die sofort wirken.
Anschließend probierten wir es aus. Zunächst sechs Löcher auf dem Kurzplatz, dann noch einmal neun auf der großen Runde. Zahlen ausrechnen, Ziele suchen, das Gelernte anwenden – Loch für Loch.
Am Ende des Tages war die Gruppe erschöpft. Viel Input, viele neue Gedanken, viele kleine Aha-Momente. Aber genau das sind die Tage, an denen etwas hängen bleibt. Die Tage, an denen Golf nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf eine neue Richtung einschlägt.
Vielleicht sind Sie beim nächsten Practice Day dabei.